Kategorie: Produkttest

  • Govee, Tuya, Hue: Warum in meiner Decke jetzt ein Shelly steckt

    Govee, Tuya, Hue: Warum in meiner Decke jetzt ein Shelly steckt

    Es gibt diesen einen Moment, an dem Smart Home aufhört, smart zu sein. Bei mir ist das immer derselbe: Ich komme ins Arbeitszimmer, drücke den Schalter – und nichts passiert. Die Deckenlampe bleibt aus. In der App steht sie als erreichbar. Sie antwortet also. Sie tut nur nichts.

    Inzwischen hängt deshalb ein Shelly in meiner Decke. Nicht, weil ich die Lampe noch smarter machen wollte. Sondern damit ich ihr den Strom wegnehmen kann, wenn sie sich wieder aufgehängt hat.

    Das ist kein Govee-Verriss. Ich habe fünf Govee-Geräte im Haus und die meisten laufen. Aber ich habe daneben rund sechzig Philips-Hue-Leuchten und ein paar billige Lampen mit Tuya-Chip – und beim direkten Vergleich fällt ein Muster auf, das nichts mit Lichtqualität zu tun hat, sondern mit der Frage: Wie weit muss ein Schaltbefehl eigentlich reisen?

    Das Wichtigste vorab

    • Das Problem: zwei Govee-Deckenlampen hängen sich regelmäßig auf – erreichbar, aber taub
    • Der Workaround: Shelly davor, um hart stromlos zu schalten
    • Der eigentliche Unterschied: nicht Helligkeit oder Farbe, sondern lokal gegen Cloud
    • Der Beleg: 1.404 Zustandsabfragen in elf Stunden, davon 0 über mein lokales Netz
    • Und ja, auch Qualität: beim LED-Streifen war der Unterschied krass
    • Fairerweise: Govee kann Dinge, die Hue nicht kann – dazu unten mehr

    Was bei mir steht

    Damit du das einordnen kannst – das ist meine Ausgangslage, kein Labortest.

    Govee

    • Deckenleuchte RGBIC 48,5 W (H60A6) im Arbeitszimmer
    • Square Ceiling Light (H60A4) im Waschmaschinenraum
    • Glide Wandleuchten RGBIC, 6 Stück (H610A) hinter dem Schreibtisch
    • RGBIC LED-Streifen 30 m (H618F) – hing früher im Wohnzimmer
    • RGBWIC String Lights (H70C4) am Weihnachtsbaum

    Eingebunden über die Community-Bridge govee2mqtt. Dass ich überhaupt eine Community-Lösung brauche, ist schon Teil der Geschichte: Ich habe vorher alle offiziellen Wege probiert, und die waren schlechter.

    Philips Hue

    Rund sechzig Leuchten quer durchs Haus – Centura-Spots in den Decken, Fugato-Strahler, Infuse-Deckenleuchten, Xamento im Bad, Lightstrips in der Küche, Play-Leuchten hinterm Fernseher, Resonate draußen. Alles hängt an einer Hue Bridge, die wiederum in Home Assistant eingebunden ist.

    Tuya

    Ein paar namenlose Lampen mit Tuya-Chip, die typischen Dreißig-Euro-Teile aus dem Onlinehandel. Die nehme ich hier bewusst mit rein, weil sie exakt dasselbe Verhalten zeigen wie meine Govee-Deckenlampen. Genau das hat mich überhaupt erst auf die Spur gebracht, dass ich es hier nicht mit einem Markenproblem zu tun habe.

    Das Symptom: erreichbar, aber taub

    Beide Govee-Deckenlampen zeigen dasselbe Verhalten. Sie gehen nicht an. Kein Flackern, kein Verzögern, kein halbes Reagieren – einfach nichts. Die Govee-App meldet währenddessen brav, dass die Lampe online ist. Home Assistant schickt den Befehl raus und bekommt keinen Widerspruch.

    Es fühlt sich an, als hätte sich die Lampe intern aufgehängt und würde nach außen weiter freundlich winken. Und es gibt genau eine Lösung, die zuverlässig hilft: Strom weg, Strom wieder dran.

    Bei den Tuya-Lampen dasselbe Spiel. Auch da hilft am Ende nur der harte Neustart.

    Der Blick ins Log – und da wurde es interessant

    Weil Vermutungen langweilig sind, habe ich mir elf Stunden Protokoll der Govee-Bridge angesehen. Von morgens um halb acht bis abends um kurz vor sieben. In dieser Zeit hat die Bridge 1.404 Mal den Zustand meiner Govee-Geräte abgefragt. Davon liefen über mein lokales Netz: null.

    So sieht so eine Abfrage aus – Geräte-IDs habe ich geschwärzt:

    [2026-09-06T07:36:51 INFO govee::service::state]
      requesting update via Platform API
      H5044_XXXX (15:96:XX:XX:XX:XX:XX:XX H5044)
      DeviceState { on: false, brightness: 0,
                    source: "AWS IoT API",
                    updated: 2026-09-05T22:18:33Z }

    Zwei Dinge stecken in diesen fünf Zeilen. Erstens: Platform API und AWS IoT heißt, die Antwort kommt von Govees Servern, nicht aus meinem Wohnzimmer. Zweitens, und das ist der eigentliche Witz: Die Abfrage läuft morgens um 7:36 Uhr – und liefert einen Zustand, der auf 22:18 Uhr am Vorabend datiert ist. Neun Stunden alt.

    Diese Zeile wiederholt sich im Log über tausend Mal, alle dreißig Sekunden, immer mit demselben Zeitstempel. Tausend Anfragen quer über den Atlantik für eine Information, die sich nicht verändert.

    Lokal ist nur die halbe Miete

    Govee hat durchaus eine lokale Schnittstelle, und die Bridge nutzt sie auch. Aber nur in eine Richtung – zum Schalten. Und selbst da nicht durchgängig:

    [2026-09-06T08:19:00 INFO govee::service::state]
      Using LAN API to set Square Ceiling Light (H60A4) light power state
    
    [2026-09-06T10:55:57 INFO govee::service::state]
      Using Platform API to control Square Ceiling Light (H60A4)

    Dieselbe Lampe, zwei verschiedene Wege. Von 64 Befehlen an dieses Gerät gingen nur 9 lokal raus, 55 über die Cloud. Bei den Glide-Leuchten praktisch alles über die Cloud. Nur die Arbeitszimmerlampe schaltet überwiegend lokal, 8 von 9 Befehlen.

    Und dann ist da noch das hier:

    [2026-09-06T07:39:26 INFO govee::commands::serve]
      Querying platform API for device list
    
    [2026-09-06T07:42:18 INFO govee::commands::serve]
      Querying undocumented API for device + room list

    Undocumented API. Die Bridge muss neben der offiziellen Schnittstelle eine zweite, reverse-engineerte Hintertür mitbenutzen, weil die offizielle allein nicht ausreicht. In elf Stunden: 68 Abrufe über die eine, 67 über die andere.

    Im Klartext heißt das alles: Fällt mein Internet aus, kann ich einen Teil meiner Govee-Lampen noch schalten – weiß aber bei keiner einzigen mehr, ob sie an ist.

    Warum Hue dieses Problem nicht hat

    Hue funkt über Zigbee. Das ist ein eigener Funkstandard, kein WLAN. Der Befehl geht von Home Assistant an die Hue Bridge, von dort per Funk an die Lampe – und die Lampe funkt zurück, was sie gerade tut. Alles im Umkreis weniger Meter.

    Die Leuchten bilden dabei ein Mesh: Jede fest verbaute Lampe ist gleichzeitig Repeater für die nächste. Bei sechzig Leuchten habe ich praktisch überall im Haus Empfang, ohne dafür irgendwas aufgestellt zu haben.

    Und ja – das funktioniert auch ohne Internet, und zwar nicht nur in der Hue-App. Die Home-Assistant-Integration spricht die Bridge über deren lokale Schnittstelle an. Bei den quadratischen Bridges der zweiten Generation schickt die Bridge Zustandsänderungen sogar von sich aus an Home Assistant, über einen lokalen Event-Stream. Meine Wandpanels würden bei einem Internetausfall also weiterlaufen, weil die ganze Kette – Panel, Home Assistant, Bridge, Lampe – im Haus bleibt.

    Damit Hue hier nicht als Heiliger dasteht: Signify hat 2023 angekündigt, Nutzerkonten verpflichtend zu machen und Daten in die eigene Cloud zu laden. Die lokale Steuerung sollte davon unberührt bleiben – ob das so bleibt, weiß niemand. Der Unterschied ist trotzdem grundsätzlich: Bei Hue ist die Cloud eine Schicht obendrauf. Bei Govee ist sie der Weg.

    Die drei Systeme nebeneinander

    WasWie es funktCloud nötig?Internet weg
    Philips HueZigbee-Funk zur Bridge, Mesh-NetzNur für Fernzugriff über Hue und KontoLäuft komplett weiter
    Govee mit govee2mqttWLAN, lokal nur zum SchaltenKonto und API-Key immer nötigTeils schaltbar, Zustand unbekannt
    Tuya (Standard)WLAN zur Cloud und zurückFür allesTot

    Bei Tuya gibt es mit LocalTuya lokale Wege, aber dafür musst du dir die Geräteschlüssel aus der Cloud herausziehen. Das ist Bastelei für Leute, die Spaß daran haben – keine Lösung für jemanden, der einfach Licht anmachen will.


    Und dann ist da noch das Licht selbst

    Bis hierhin ging es nur um Technik unter der Haube. Aber es gibt auch einen Unterschied, den man schlicht sieht – und beim LED-Streifen im Wohnzimmer war der extrem.

    An derselben Stelle, an derselben Decke, hing erst der 30-Meter-Streifen von Govee und danach ein Hue Flux Gradient. Der Unterschied war Tag und Nacht: deutlich heller, sattere Farben, und vor allem ein ruhiges Licht. Beim Govee-Streifen flackerte es nach etwa einem Jahr in einzelnen Ecken, besonders beim Dimmen. Beim Hue ist das Licht einfach da und steht still.

    Dazu kommt, dass der Hue-Streifen mehrere Farben gleichzeitig darstellen kann und der Verlauf dem Raum folgt. Der Govee-Streifen konnte in der Praxis eine Farbe für alles – trotz RGBIC-Versprechen. Die Bilder vom Vorher-Nachher lege ich in einem eigenen Beitrag nebeneinander, in dem ich auch den Umbau und die Kosten aufschlüssele. Wie der Rest meines Hauses aufgebaut ist, steht unter Mein Setup.

    Und die Frage, wie lange es hält

    Bei den Glide-Wandleuchten ist nach vier Monaten echter Nutzung eine LED oben ausgefallen. Vorher lagen sie ein paar Monate nur zum Ausprobieren da. Vier Monate sind keine Lebensdauer, das ist eine Probefahrt.

    Zwei Govee Glide Lively Wandleuchten nebeneinander: die linke leuchtet mit rosa Verfärbung im oberen Bereich, die rechte gleichmäßig weiß
    Links die betroffene Leuchte mit dem rosa verfärbten oberen Segment, rechts wie es aussehen sollte.
    Nahaufnahme der defekten Govee Glide Lively Wandleuchte, bei der das obere Segment deutlich rosa statt weiß leuchtet
    Aus der Nähe wird der Farbstich im oberen Drittel noch deutlicher.

    Zum Vergleich: Ich benutze Hue seit der ersten Generation. Von damals hängen bei mir immer noch Glühbirnen, die bis heute funktionieren. Kaputt gegangen ist in all den Jahren genau ein einziger Hue-Streifen – und den habe ich selbst geknickt, weil ich ihn als Hintergrundbeleuchtung um einen Fernseher gelegt habe. Das war meine Entscheidung und mein Fehler, dafür kann Philips nichts.

    Was Govee wirklich gut macht

    Jetzt der faire Teil, denn den gibt es.

    Der Preis ist eine andere Liga. Ich habe 30 Meter RGBIC-Streifen für ungefähr das bezahlt, was Hue für zwei Meter aufruft. Wer eine Partykellerdecke oder einen Hobbyraum bunt machen will, kommt bei Hue schlicht nicht hin.

    Die Deckenlampe kann Vorder- und Hintergrundlicht getrennt schalten. Ein warmes Hauptlicht und dahinter ein farbiger Rand, unabhängig voneinander steuerbar – das habe ich bei Hue so nicht. Für Streaming-Hintergründe richtig praktisch.

    Die Govee-Deckenleuchte H60A6 an der Arbeitszimmerdecke mit eingeschaltetem Haupt- und Hintergrundlicht
    Beide Lichtebenen an: das helle Hauptlicht in der Mitte, außen der zusätzliche Ring.
    Dieselbe Govee-Deckenleuchte, bei der nur der äußere Leuchtring aktiv ist, während die Mitte dunkel bleibt
    Nur der äußere Ring – die Mitte bleibt dunkel. Das lässt sich in Home Assistant getrennt schalten.
    Dieselbe Govee-Deckenleuchte, bei der nur das innere Hauptlicht leuchtet und der äußere Ring dunkel bleibt
    Und umgekehrt: nur das Hauptlicht, der Ring aus. Genau das ist der Punkt, an dem Govee etwas kann, was meine Hue-Leuchten nicht können.
    Die Geräteseite der Govee-Deckenleuchte in Home Assistant mit den getrennten Schaltern für Background Light Toggle und Main Light Toggle
    In Home Assistant liegen dafür zwei eigene Schalter bereit: Background Light und Main Light.

    Die Effekte sind ein eigenes Universum. Meine Glide-Leuchten haben 88 vorgefertigte Effekte, von Aurora über Lagerfeuer bis Musikvisualisierung. Hue bietet eine Handvoll. Wenn du Show willst, liefert Govee Show.

    Und wo es dann doch klemmt

    Die Segmente gibt es – nur nicht dort, wo ich sie brauche. In der Govee-App kann ich die Glide segmentweise einfärben, und das sieht auch richtig gut aus: oben warmes Orange, unten kühles Blau, alles auf einer Leuchte.

    Die Govee Glide Lively Wandleuchte leuchtet im oberen Bereich orange und im unteren Bereich blau
    Zwei Farben auf einer Leuchte – technisch kann das Gerät es also durchaus.
    Screenshot der Govee-App mit der Segmentsteuerung, in der einzelne Abschnitte der Leuchte separat eingefärbt werden können
    In der Govee-App gibt es dafür eine eigene Oberfläche mit Schiebereglern pro Segment.

    In Home Assistant hört der Spaß dagegen auf. Dort liegen zwar zwölf Segment-Schalter bereit, aber sie tun nichts. Ich kann sie anklicken, es passiert nichts. Die Funktion existiert im Gerät, sie kommt nur nicht durch die Schnittstelle – und damit ist sie für jede Automatisierung wertlos. Was ich nicht aus Home Assistant heraus schalten kann, kann ich auch nicht an einen Sonnenuntergang, einen Bewegungsmelder oder eine Szene hängen.

    Insgesamt erzeugen meine fünf Govee-Geräte 67 Einträge in Home Assistant – mehr als meine sechzig Hue-Leuchten zusammen. Ein guter Teil davon sind Schaltflächen, die versprechen, was das Gerät nicht hält.

    Die Geräteseite der Govee Glide Lively in Home Assistant mit einer langen Liste einzelner Segment-Schalter
    Eine einzige Leuchte, eine endlose Liste: Segment für Segment steht hier als eigener Schalter – anfassen lässt sich davon nichts.

    Mein Fazit

    Die Regel, die ich daraus mitgenommen habe, ist simpel: Je weiter der Schaltbefehl reisen muss, desto mehr Stellen gibt es, an denen er hängen bleiben kann.

    Bei Zigbee sind das ein paar Meter Funk. Bei Govee und Tuya geht es über deinen Router, deinen Provider, ein Rechenzentrum und wieder zurück. Jede dieser Stationen kann klemmen – und wenn das Gerät sich dann aufhängt, merkst du es nicht mal, weil die Cloud noch den alten Zustand von gestern Abend ausliefert.

    Deshalb mein praktischer Rat, und der gilt für Govee genauso wie für Tuya: Plane bei WLAN-Leuchten von Anfang an eine Möglichkeit ein, den Strom zu kappen. Ein Shelly hinter dem Schalter, eine schaltbare Steckdose, irgendwas. Nicht weil du es hoffentlich brauchst – sondern weil du es sicher brauchen wirst.

    Und wenn eine Lampe an einer Stelle hängt, an die du schlecht rankommst, oder wenn eine Automatisierung sich darauf verlassen muss, dass der Zustand stimmt: dann nimm Zigbee. Der Aufpreis kauft dir keine schöneren Farben. Er kauft dir Verlässlichkeit – und, wie meine Glühbirnen aus der ersten Generation zeigen, ziemlich viele Jahre.

    Meine Wertungen

    • Govee Deckenleuchte RGBIC (H60A6/H60A4): ⭐⭐ (2/5) – schönes Licht, aber eine Lampe, die einen Shelly zum Neustarten braucht, ist keine smarte Lampe
    • Govee Glide Wandleuchten (H610A): ⭐⭐ (2/5) – tolle Effekte, aber defekte LED nach vier Monaten und eine Segmentsteuerung, die nur in Govees eigener App funktioniert
    • Govee LED-Streifen 30 m (H618F): ⭐⭐ (2/5) – unschlagbarer Meterpreis, dafür flaue Farben und Flackern nach einem Jahr
    • Philips Hue (quer durchs Sortiment): ⭐⭐⭐⭐⭐ (5/5) – teuer, langweilig, funktioniert einfach

    Hinweis: Das hier ist mein persönlicher Erfahrungsbericht mit meinen eigenen Geräten – kein Labortest und keine Aussage über die Marken insgesamt. Deine Erfahrung kann eine völlig andere sein. Sobald ich Partnerlinks einsetze, kennzeichne ich die transparent. Aktuell sind alle Links reine Produktverweise.


    Und demnächst wird es hier technischer: Ich schreibe gerade an einem Beitrag über ein kleines Python-Skript, das meine komplette Steam-Bibliothek durchgeht und nach USK-Alterseinstufung sortiert. Damit ich auf einen Blick sehe, was ich zocken kann, während der Nachwuchs im Raum ist. Das Skript gibt es dann zum Mitnehmen.

    Wie sieht es bei dir aus? Hast du WLAN-Leuchten, die sich regelmäßig verabschieden – oder läuft dein Govee-Kram tadellos? Schreib’s mir in die Kommentare, ich bin ehrlich neugierig, ob das an meinem Netz liegt.

  • Test vom Nebula Cosmos 4K SE Beamer (2024 Version)

    Test vom Nebula Cosmos 4K SE Beamer (2024 Version)

    Produktabbildung des Nebula Cosmos 4K SE Beamers in der Seitenansicht

    Hinweis zum Alter dieses Tests: Der Beitrag stammt aus dem September 2024. Das Gerät ist weiterhin erhältlich, aber Preise, Software und Verfügbarkeit können sich seitdem geändert haben. Meine Einschätzung zur Hardware selbst hat sich nicht geändert.

    Ich konnte den neuesten Anker Beamer testen. Und was ist mein Urteil? Das Ding kann rocken – muss aber nicht…

    Die Marke

    Hinter „Nebula“ versteckt sich ANKER. Ein chinesischer Hersteller, den ich sonst nur durch den Astro-Beamer kenne oder aber durch Ladekabel & Powerbanks und ähnlichen. Die Powerbanks von Ihnen haben bis heute noch echt gute Dienste geleistet und das bei teilweise knapp 10 Jahren Nutzung. Daher, kann ich mit der Marke Anker bisher nur positive Dinge verknüpfen, wenngleich in den letzten Jahren auch hier der Preisanschub nicht halt gemacht hat und auch Anker Produkte durchaus teurer geworden sind.

    Das Gerät & Handlichkeit

    Mit einem Gewicht von 4,5 Kilogramm ist der Beamer tatsächlich recht schwer. Wer ihn kurzzeitig in einem Rucksack transportieren möchte, muss nicht nur das Gewicht tragen, sondern auch einen Rucksack besitzen, der die Maße 26x16x22 cm aufnehmen kann. Zufälligerweise wird auf der Shopseite eine attraktive Tragetasche angeboten, die jedoch mit 100€ meiner Meinung nach zu teuer ist. Der mobile Tragegriff macht die Option, den Beamer einfach mit einer Halterung an der Decke zu befestigen, zunichte. Ich hätte es bevorzugt, wenn der Griff abnehmbar wäre und unter ihm eine integrierte Halterung für eine Schraube vorhanden wäre. So wird mir Mobilität aufgezwungen, was für diejenigen ideal ist, die nach mobilen Geräten suchen.

    Beim Thema Transport muss erwähnt werden, dass die Linse des Beamers so exponiert ist, dass sie beim mobilen Einsatz völlig ungeschützt bleibt. Dies erscheint mir für ein mobiles Gerät nicht ausreichend durchdacht. Zwar könnte ich mit einem 3D-Drucker eine Abdeckung herstellen, doch stellt sich die Frage, warum diese nicht standardmäßig beigelegt wird. Optisch ist das Gerät jedoch sehr ansprechend und kann besonders im beruflichen Kontext, wo ein Beamer benötigt wird, überzeugen.

    Der Nebula Cosmos 4K SE Beamer mit seinem festen Tragegriff, daneben die Verpackung und die beleuchtete Fernbedienung
    Der feste Tragegriff macht den Beamer mobil – nimmt einem aber die Möglichkeit einer Deckenhalterung.

    Zubehör

    Das mitgelieferte Zubehör ist minimalistisch und beschränkt sich auf eine Fernbedienung sowie zwei Stromkabel. HDMI-Kabel sind nicht enthalten, was ich persönlich nicht problematisch finde, da ich dadurch meinen eigenen HDMI-Standard verwenden kann und bereits genügend Kabel besitze. Wer keine HDMI-Kabel hat, muss sich welche besorgen.

    Die Fernbedienung unterstützt die „Google Sprachsteuerung“, die tadellos und schnell funktioniert. Es ist auch möglich, den Beamer über das Handy einzuschalten – eine praktische Funktion. Die beleuchtete Fernbedienung erleichtert die Bedienung im Dunkeln, sodass man nicht nach den Tasten suchen muss. Dank des eingebauten Google-Cast kann ich Inhalte direkt von meinem Handy auf den Beamer streamen, was reibungslos und ohne Probleme funktioniert.

    Der Nebula Cosmos 4K SE mit der beleuchteten Fernbedienung und dem mitgelieferten Zubehör

    Anschlüsse

    Der Projektor verfügt über zwei HDMI-Anschlüsse, wobei einer davon auch ARC unterstützt, was tadellos funktioniert. Wenn die PS5 eingeschaltet wird, schaltet sich auch der Projektor ein – voilà. Zusätzlich gibt es einen AC-Anschluss für die Audioübertragung, womit ich den Sound an mein vertrautes 7.1 Soundsystem anschließen kann. Anders als sein Vorgängermodell sind 4K und Android direkt im Gerät integriert und nicht extern. Das ist fantastisch! Auch der HDMI-Anschluss wurde gegenüber dem Vorgängermodell aufgewertet und unterstützt nun HDMI2.1.

    Bildqualität

    Bevor ich auf die Bildqualität eingehe, möchte ich einige Dinge klarstellen. Ich verfüge über kein großes Testlabor oder einen XXL-Aufbau. Durch meine berufliche Erfahrung mit Projektoren bin ich mit verschiedenen Bildqualitäten vertraut. Diese sind jedoch subjektiv und andere könnten sie anders bewerten als ich. Hiermit teile ich lediglich meine persönliche Meinung – nicht mehr und nicht weniger.

    Die Auflösung beträgt native 3.840 x 2.160 4K. Es handelt sich nicht um ein hochskaliertes 1920×1080 Bild, wie es oft fälschlicherweise als 4K beworben wird, besonders im Projektor-Markt. Das Bild hat sich automatisch an die Wand angepasst, was eine optimale und gerade Darstellung ermöglichte. Dies geschah bereits während der Einrichtung automatisch und passte perfekt (ein Video dazu folgt noch). Die Farben sind kräftig und lebendig, die Bilder gestochen scharf. Keine Blockeffekte oder sichtbare Pixel, sondern wirklich scharfe Darstellung. Unsere Wand ist mit Raufasertapete versehen, und ich hatte nicht das Gefühl, dass wir eine zusätzliche Leinwand benötigen würden. Ja, das Bild ist so gut. Ich kann nur sagen: fantastisches Bild! Punkt.

    Lautstärke Lüfter / Wärme

    Man hört den Beamer – Ja. Aber ich hatte genug Beamer die erheblich lauter waren und auch erheblich mehr Wärme abgegeben haben. Beides ist hier der Fall. Er gibt wärme ab und ist zu hören. Aber auf einem Level, was ich so für ein Beamer absolut in Ordnung finde. Es stört einfach überhaupt nicht.

    Preview-Test-Video

    Eine kleine Preview, bevor das komplette Video an den Start geht kommt hier auch. So könnt ihr euch einmal selbst davon überzeugen.

    Technische Daten

    • Abmessungen und Gewicht
      • Größe – 264 x 221 x 165 mm
      • Gewicht – 4,5 Kilo
    • Display
      • Lichtquelle: Laser + LED
      • Auflösung: 3840×2160
      • Helligkeit: 1.800 ANSI-Lumen
      • Farbraum: 123,3% Rec. 709
      • Farbgenauigkeit: ΔE<1
      • Lebensdauer der Lichtquelle: 30.000 Stunden
      • Seitenverhältnis: 16:9
      • Projektionsverhältnis: 1.2:1
      • Offset: 100%
      • Fokuseinstellung:: Automatisch / Manuell
      • Projection Mode: Vorderseite / Rückseite / Vorderseite Decke / Rückseite Decke
      • Trapezkorrektur: Automatisch (Vertikal ±40°), Automatisch (Horizontal ±30°)
      • MEMC: Ja
      • Schnittstellen: AC-IN, HDMI 2.1 (eARC), HDMI 2.1, USB-A, AUX
    • Hardware
      • CPU: Quad-Core ARM Cortex-A55
      • GPU: ARM Mali-G52 MC1
      • RAM / ROM: 2GB / 16GB
      • Lautsprecher: 15W ×2 (unterstützt von Dolby Audio)
    • Software
      • OS: Betriebssystem: Google TV mit offiziellem Netflix
      • Modes: Projektormodus / Bluetooth-Lautsprechermodus
      • OTA: Unterstützt
      • App Store: Unterstützt
    Der Nebula Cosmos 4K SE im Einsatz mit projiziertem Bild an der Wand

    Fazit

    Das Google OS ist, wenn man ein Android Handy besitzt, super schnell mit seinem Account und seinen Apps gesynched. Der Ton ist für ein kleinen Beamer wirklich gut (natürlich kein 7.1. Surround Sound, aber wirklich gut genug). Das Bild, finde ich sehr gut. Die automatische Ausrichtung noch besser. Sowohl tagsüber als auch Abends / Nachts konnte das Bild im Vergleich zu 1080p Beamern aufwarten. Wer einen mobilen Beamer sucht oder für Camper oder für den Garten, den kann ich hier voll und ganz auf die sichere Seite wissen: wer das Gerät kauft, der macht wirklich nichts falsch! Von mir gibt es daher:

    BEWERTUNG

    ⭐⭐⭐⭐⭐ (5/5)

    POSITIV

    • Mobiler Beamer – Jetzt mit echtem 4K
    • Google OS ist fix eingerichtet
    • Das OS selbst ist flott im Beamer
    • Bildqualität ist hervorragend – natives 4K, kräftige Farben, gestochen scharf
    • Preis-Leistung geht für das Gebotene in Ordnung
    • Appstore bietet alles was das Android-Herz begehrt
    • IEA 4.0 (Hindernisserkennun und Autofokus) funktionieren hervorragend
    • 200 Zoll TV ist schon eine Ansage – und dann in der Qualität

    NEGATIV

    • Haltegriff ist fest und nicht lösbar
    • Keine Option für Deckenhalterung
    • Kein vorhandener Linsenschutz
    • Kein HDR – bei dem Preis und der sonst so guten Bildqualität ärgerlich
    • Listenpreis von 1.500 € ist zu hoch angesetzt – zum Release gab es ihn für 1.000 €, was den eigentlichen Wert eher trifft
    • Keine Schnittstelle zu Apple

    Hinweis an dieser Stelle und in eigener Sache:

    Das Gerät wurde mir im Rahmen eines Produkttests kostenlos zur Verfügung gestellt. Eine darüber hinausgehende Bezahlung habe ich nicht erhalten, und der Hersteller hatte keinen Einfluss auf den Inhalt dieses Beitrags. Nebenbei: „Kostenlos“ heißt auch bei Testprodukten nicht, dass gar nichts anfällt – auf den Warenwert werden Steuern fällig. Dieser Test basiert auf meinem Befinden und meiner subjektiven Wahrnehmung. Ich handle hier nach bestem Wissen und Gewissen.